Veröffentlicht am 27.07.2017
Dunkirk USA/Großbritannien/Frankreich 2017
Dunkirk Kinostart 27.07.2017, USA/Großbritannien/Frankreich 2017
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Dunkirk - Filmplakat

Atemberaubend intensiver Kriegsfilm über die Rettungsversuche der Briten, 400.000 in die Enge getriebene Soldaten vom Strand von Dünkirchen zu befreien.

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Filmkritik zu Dunkirk

Atemberaubend intensiver Kriegsfilm über die Rettungsversuche der Briten, 400.000 in die Enge getriebene Soldaten vom Strand von Dünkirchen zu befreien.

Diesmal muss Christopher Nolan nicht Städte zusammenfalten. Er muss nicht Wesen in anderen Dimensionen anrufen oder mit einem Deus ex machina im dritten Akt aufwarten. Diesmal verdichtet der britische Filmemacher seine Kunst einfach nur auf seine Essenz. In der Konzentration von Zeit und Raum erschafft er einen Kriegsfilm, wie man ihn noch nicht gesehen hat, der so aufregend ist, wie es sonst nur die ersten 20 Minuten von "Der Soldat James Ryan" gewesen waren. Mehr noch: es ist eine völlig neue Art von Film - experimentelles Kino unter dem Deckmantel von purem Spektakel, das den Zuschauer keine Sekunde zu Ruhe kommen lässt. Einer der Gründe, warum sich die nur 106 Minuten Laufzeit dennoch anfühlen wie ein Epos. Alles Überflüssige ist über Bord geworfen. Mit Ausnahme einer Schrifttafel zu Beginn gibt es keine historische Einordnung, keine Figurenzeichnung und auch keine Exposition. Es gibt nur den jeweiligen Moment.

Die tickende Uhr ist das Leitmotiv des Films, den nichts anderes interessiert als das, was gerade vor der Kamera zu sehen ist, nicht der deutsche Feind, der die britischen Truppen an den Strand von Dünkirchen zurückgedrängt hat, nicht die französischen oder belgischen Verbündeten, nicht die Zivilisten in der zerbombten Stadt. Hier geht es nur um fast 400.000 junge Briten, die die Heimat auf der anderen Seite des Ärmels fast sehen, aber auf ein Wunder vertrauen müssen, um sie jemals wieder betreten zu können. In unmittelbarer Nähe, so fern. Dazwischen ist die Hölle. Diese Hölle zeigt Nolan. Mit einer filmischen Anmutung, wie es sich angefühlt haben mag an diesen Tagen im Juni 1940, dem sicheren Tod ins Auge zu blicken. So ökonomisch, direkt und unmittelbar Erzählung und Gezeigtes auch sind, eine Extravaganz gönnt sich Nolan, die seiner fortwährenden Faszination für das Wesen der Zeit geschuldet ist. Und die mithilft, zwar mitten drin zu sein in dem Getümmel, wenn Stukkas aus dem Himmel stürzen und Torpedos in zur Rettung nahende Schiffe einschlagen, aber auch die nötige Distanz zu wahren: "Dunkirk" ist kein Warporn. Die Erzählung teilt sich auf in drei, zeitlich verschieden angeordnete Handlungsstränge, eine Woche am Boden, ein Tag im Wasser, eine Stunde in der Luft, die mit Macht aufeinander zustreben und Nolan die Chance geben, gekonnt mit den verschiedenen Versatzstücken zu jonglieren.

Wenn der film so etwas hat wie eine Hauptfigur, dann ist es ein vermeintlich namenloser britischer Soldat (die Credits listen ihn als "Tommy"), gespielt von Neuentdeckung Fionn Whitehead, der auch im nächsten Film von Sebastian Schipper, "Caravan", die Hauptrolle spielen wird: Er ist die erste Figur, die man sieht auf den verwaisten Straßen von Dünkirchen und der man unter deutschem Beschuss an den Hauptspielort folgt, dem Strand der Stadt. Hier muss Tommy versuchen, sich an der Seite von anderen jungen Männern zu retten, die genau so aussehen wie er, während die Luftwaffe Jagd auf deutsche Bomber macht und englische Fischer und Privatleute in ihren Booten in See stechen, um die Ihren in Frankreich abzuholen. Wenn der Film einen Orientierungspunkt hat, dann ist es Kenneth Branagh als Marineoffizier am Pier, der wie ein Leuchtturm wirkt im wogenden Wahnsinn um ihn herum - die einzige Konzession an filmische Konvention in einem Film, der einzig und allein der eindringlich dissonanten Musik von Hans Zimmer verpflichtet zu sein scheint. Selten war die Fusion aus Bild und Ton effektiver: "Dunkirk" ist eine einzigartige Erfahrung, die man nicht vergisst, ersonnen von einem Filmemacher, der erstmals dem Spitznamen gerecht wird, den er seit Jahren trägt: Jetzt ist er wirklich der "neue Stanley Kubrick". ts.

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Filmhandlung & Hintergrund zu Dunkirk

Im Juni 1940 sind nahezu 400.000 britische Soldaten an den Strand von Dünkirchen getrieben worden. Wenn es England nicht gelingt, sie über den Ärmelkanal nach Hause zu holen, sind sie verloren. Einer von ihnen ist Tommy, dem es gelingt, sich an Bord eines der wenigen Schiffe zu retten, das aber fast sofort versenkt wird, womit eine Odyssee für ihn beginnt, während mutige Piloten der Luftwaffe Jagd auf die deutschen Bomber machen und Fischer und Privatpersonen in ihren Booten Richtung Frankreich eilen, um die Ihren zu retten.



Prädikat besonders wertvoll

Auszeichnung der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW)
Prädikat: Besonders wertvollDünkirchen, französische Küste, 1940. Über 300.000 alliierte Soldaten harren am Strand aus. Sie sind eingekesselt, die Situation scheint aussichtslos. Churchill ordert die Rettung der Soldaten per Schiff an. Angefordert werden alle Boote, die sich von der englischen Küste aus in Bewegung setzen können, so klein sie auch sein mögen. Dazu sollen englische Spitfires die Bedrohung durch den Feind in der Luft abwehren. Doch die Bedrohung durch den Feind schwebt wie ein Damoklesschwert über jedem Beteiligten. Mit seinem neuen Film DUNKIRK stellt Regisseur Christopher Nolan erneut unter Beweis, dass er ein Meister des klug verschachtelten Erzählens ist. Nolan erzählt die Geschichte der mittlerweile auch zur Legende gewordenen Befreiung der Soldaten vom Strand Dünkirchens aus drei Perspektiven: Ein Tag im Wasser, eine Stunde in der Luft und eine Woche am Strand. Immer wieder verknüpft er die Erzählstränge, springt vor und zurück, beleuchtet einzelne Ereignisse erneut. Als Zuschauer kann man so über viele Szenen neu reflektieren und wird doch auch stets in atemloser und unmittelbarer Spannung vom Gesehenen in die Geschichte hineingezogen. Die einzelnen Charaktere sind dabei Fixpunkte. Über ihren Hintergrund erfährt man nur wenig, doch stehen sie für unzählige Schicksale, die sich in den Erlebnissen des Kriegsgeschehens wiederfinden. Da ist der erfahrene Offizier, der nur ein Ziel hat: Die ihm anvertrauten Soldaten in Sicherheit zu bringen. Der Kapitän eines kleinen Fischkutters, der seinen eigenen Sohn im Krieg verloren hat. Der Flieger, der das ultimative Opfer bringen muss, um viele Menschenleben zu retten. Der traumatisierte Offizier, der nicht weiß, wie er das Grauen des Gesehenen verarbeiten soll. Zudem die jungen Soldaten, die in den Krieg gezogen sind, um Helden zu sein. Und nun einfach nur überleben wollen. Die Besetzung ist bis in die kleinsten Nebenrollen hochkarätig und liest sich wie ein Who is Who der großen Charakterdarsteller: Kenneth Branagh, Mark Rylance, Tom Hardy. Für die Darstellung der jungen Soldaten greift Nolan auf filmisch weniger bekannte, junge Gesichter zurück, die auch für die Namenslosigkeit und eine Unschuld stehen, die im Krieg verloren ging. Immer wieder lässt Nolan sie innehalten in der sturmumwobenen Kulisse der Zerstörung und des Chaos. Besonders stark kommt hier der überragende Score von Hans Zimmer zum Tragen, der die Szenen mit einem konstanten Ticken einer Uhr und durchdringenden Bässen in einen Mantel der konstanten Bedrohung hüllt. Zimmers Musik und die großen Bilder des Kameramanns Hoyte Van Hoytema erzeugen einen Sog, der den Betrachter von Anfang bis Ende nicht mehr loslässt. Christopher Nolans DUNKIRK ist großes überwältigendes Kino, das über seine ganz besondere filmische Form zum Reflektieren einlädt. Ein Meisterwerk.

Jurybegründung:

Das Chaos, als das Soldaten einen gegnerischen Angriff empfinden, dem sie ausgeliefert sind und dem sie nur mit purem Glück entgehen können, zeigt Christopher Nolan hier mit großen, großartigen und fast ohrenbetäubenden Sequenzen. Die von den Deutschen geschlagene Armee von britischen und alliierten Soldaten ist an den Strand von Dünkirchen zurückgedrängt worden, wo sie so gut wie wehrlos Angriffen von Land, vom Wasser und aus der Luft ausgesetzt sind. Am Strand drängen sich die Soldaten in langen Schlangen und auf einer Mole, wo sie hoffen, von einem der britischen Schiffe zurück nach England evakuiert zu werden. An der britischen Küste macht sich einer von vielen Fischern auf seinem Kutter auf den Weg über den Kanal, um dabei zu helfen, die Soldaten heimzubringen. Und drei britische Jagdflugzeuge fliegen in Richtung Dünkirchen, um dort die deutschen Flieger davon abzuhalten, die Soldaten zu bombardieren und zu erschießen. Auf diesen drei Ebenen erzählt Nolan mit extrem unterschiedlichen Filmzeiten. Bei den Soldaten am Strand vergeht eine Woche, beim Rettungseinsatz des Kutters ein Tag, beim Flugeinsatz zwischen Start und Landung eine Stunde. Die Episoden sind geschickt montiert und fügen sich so zu einer stimmigen Dramaturgie zusammen. Die Helden bleiben namenlos, erleben also eher kollektive als individuelle Schicksale. Ein junger Soldat hat als einziger seiner Einheit überlebt und versucht alles, um auf einem Schiff oder Boot den Strand zu verlassen. Ein alter Bootskapitän macht sich mit seinem Sohn und einem siebzehnjährige Gehilfen auf die gefährliche Fahrt nach Frankreich. Ein Pilot wird in mehrere Luftkämpfe verwickelt und muss dabei erleben, wie seine beiden Kameraden abstürzen. Die Gewalt der Angriffe wird von Nolan wie eine Naturkraft inszeniert, deren Willkür die Menschen ausgeliefert sind. Wer stirbt oder überlebt ist hier völlig dem Zufall überlassen, ob mutig oder feige, geschickt oder unfähig: jeder kann getroffen werden. Umso eindrucksvoller sind die Akte von Heroismus, die aber von Nolan nicht überhöht stilisiert werden.
Er zeigt, wie ein Soldat mit Granatenschock in Panik gerät, wie aus einer Gruppe heraus einzelne dazu gezwungen werden, sich als "Freiwillige" zu opfern und wie die Soldaten sich schließlich dafür schämen, dass sie als Geschlagene zurück nach England geflohen sind. DUNKIRK erzählt erstaunlich komplex, obwohl er seine Protagonisten wie den Zuschauer förmlich in das Inferno des Kriegs hineinstößt. Wie sie keine Namen haben, haben sie auch keine Geschichte, die erzählt wird. Doch sie durchleben diese Tage, Stunden und Minuten so intensiv und kreatürlich, dass der Zuschauer sich auf eine kaum erträgliche Weise in sie einfühlen kann, oder besser muss. Regie, Drehbuch, Kamera, die Leistungen des Schauspielerensembles (in das sich Stars wie Kenneth Branagh und Cillian Murphy nahtlos einfügen) und die unheilvoll pulsierende Musik von Hans Zimmer fügen sich hier zu einem großartigen filmischen Schlachtengemälde zusammen.
Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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Originaltitel Dunkirk
OV Ja
OmU Ja
Genre Drama / Kriegsfilm
Filmpreis -
USA-Start 21.07.2017
Kinostart (D) 27.07.2017
Besucher (D) 741.631
Einspielergebnis (D) € 6.549.637
Bes. (EDI) 741.631
Bes. (FFA) 703.575
FSK ab 12 Jahre
WWW -
Cast & Crew in Dunkirk
Regisseur Christopher Nolan Künstlerporträt 713929 Nolan, Christopher / CinemaCon 2012, Las Vegas Regisseur © Kurt Krieger
Darsteller Fionn Whitehead Darsteller
Darsteller Tom Glynn-Carney Darsteller
Darsteller Jack Lowden Darsteller
Darsteller Harry Styles Filmbild 798986 One Direction: This Is Us / Harry Styles Darsteller © Sony Pictures
Darsteller Aneurin Barnard Darsteller
Darsteller James D'Arcy Künstlerporträt 751675 James D'Arcy / Filmpremiere Darsteller © Kurt Krieger
Darsteller Barry Keoghan Darsteller
Darsteller Sir Kenneth Branagh Künstlerporträt 911365 Kenneth Branagh / Internationale Filmfestspiele Berlin 2015 / Berlinale 2015 Darsteller © Kurt Krieger
Weitere Darsteller
Produzent
Ausf. Produzent
Produktionsdesign
Kamera
Schnitt
Musik
Kostüme
Casting
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