Veröffentlicht am 15.03.2018
Der Hauptmann Deutschland/Frankreich/Polen 2017
Der Hauptmann Kinostart 15.03.2018, Deutschland/Frankreich/Polen 2017
  • Hauptmann, Der

  • Hauptmann, Der

  • Hauptmann, Der

  • Hauptmann, Der

  • Hauptmann, Der

  • Hauptmann, Der

  • Hauptmann, Der

  • Hauptmann, Der

  • Hauptmann, Der

  • Hauptmann, Der

Der Hauptmann - Filmplakat

Kompromissloser, in Schwarzweiß erzählter Kriegsfilm über den Gefreiten Willi Herold, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in einer Offiziersuniform unaussprechliche Kriegsverbrechen begeht.

0 Filmbewertungen
  • Gesamt
  • Action
  • Humor
  • Romantik
  • Spannung
  • Anspruch
0/5
Nicht mehr im Kino Mehr auf video.de Filmstart: 15.03.2018
Jetzt Film bewerten
  • Gesamt
  • Action
  • Humor
  • Romantik
  • Spannung
  • Anspruch
Filmkritik zu Der Hauptmann

Kompromissloser, in Schwarzweiß erzählter Kriegsfilm über den Gefreiten Willi Herold, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in einer Offiziersuniform unaussprechliche Kriegsverbrechen begeht.

Eine Köpenickiade hat Robert Schwentke gedreht bei seiner Heimkehr nach Deutschland, nach 13 Jahren, in denen er als erfolgreicher Mainstream-Regisseur in Hollywood gearbeitet hat. Wie die Geschichte des Schusters Wilhelm Voigt, der von Carl Zuckmayer als "Hauptmann von Köpenick" in einem Theaterstück verewigt wurde, das Helmut Käutner 1956 mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle verfilmte, ist auch das, was "Der Hauptmann" erzählt, tatsächlich geschehen: Aber war "Der Hauptmann von Köpenick" ein Schelmenstück, der verschmitzt von einem Akt zivilen Ungehorsams und Behördenwahnsinn erzählte, geht es bei Schwentkes in beklemmendem Schwarzweiß gedrehten Film um Abgründe und Entmenschlichung, um das Ende der Menschlichkeit selbst, um Kadavergehorsam, ein deutsches "Salo" über den Faschisten, der in allen Menschen schlummert: Wehe, wenn er geweckt wird. Wie Schuster Voigt findet auch der Gefreite Willi Herold eine Hauptmannsuniform.

Allerdings befinden wir uns in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Deutschland ist ein Trümmerfeld, jegliche Form von Ordnung und Zivilisation scheint aufgehoben. Herold ist desertiert, irrt frierend und hungrig durch die eisigen Landschaften, kann nur mit Mühe deutschen Soldaten entkommen, die Jagd auf ihn machen. Die Uniform verändert ihn auf einen Schlag. Mann um Mann schart Herold andere Soldaten um sich, fast alle ebenfalls desertiert, alle gezeichnet vom Schrecken des Krieges, manche buchstäblich zu jeder Schandtat bereit. Auf wundersame Weise fliegt Herold nicht auf: Mit seiner Truppe hält er Einzug in das Lager II der Emslandslager. Seine Ankündigung, der Führer höchstpersönlich habe ihm unbeschränkte Vollmachten verliehen, öffnet ihm Tür und Tor zu tun und zu lassen, wie es ihm gefällt. Herold und seine entmenschte Rotte richten ein Massaker an, keine Untat ist grausam genug.

Es wäre nicht zu ertragen, was man auf der Leinwand sieht, wäre Schwentke nicht so ein guter und kluger Filmemacher, der genau weiß, was man zeigen darf und was nicht. An Pasolini muss man denken, an "Salon Kitty" und "Steiner", an "Son of Saul" und "The Clown Who Cried". "Der Hauptmann" ist nicht einfach die Fallstudie des Mannes, der als "Henker vom Emsland" zu trauriger Berühmtheit kam: Weil Max Hubacher diesen Willi Herold so emotionslos spielt, wie eine Chiffre, ein hübscher Kerl mit leeren Augen und ohne wirklichen Plan, was er da eigentlich macht, als sei er selbst überrascht, wie weit man ihn gehen lässt, kann sich der mit Namen wie Frederick Lau, Alexander Fehling oder Samuel Finzi bis in die kleinsten Nebenrollen hochkarätig besetzte Film steigern in eine Art von Raserei, zu einer abstoßenden Travestie, die nicht einfach nur Lebensdaten eines Monstrums abhakt, sondern sich verdichtet zu einer quälenden Betrachtung der Maßlosigkeit männlicher Wut, eine Abrechnung mit Machtmissbrauch und der unstillbaren Lust auf Zerstörung. Doch obwohl Schwentke den Hammer so kompromisslos niedersausen lässt, steckt "Der Hauptmann" voller absurder Ironien, die den Film zur Groteske macht. Er verweist in seinen burleskesten Momenten auf "Cabaret" wie auch Hieronymus Bosch, ist eine bitterböse und endlos traurige surreale Komödie, die deutsche Antwort auf Richard Lesters "The Bed Sitting Room". ts.

  • 0
  • 0
0 Filmbewertungen
  • Gesamt
  • Action
  • Humor
  • Romantik
  • Spannung
  • Anspruch
Filmhandlung & Hintergrund zu Der Hauptmann

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ist Deutschland ein Trümmerfeld. Willi Herold ist desertiert und irrt durch die Landschaften, bis er die Uniform eines Hauptmanns entdeckt. Sie verändert ihn auf einen Schlag. Herold schart andere Soldaten um sich, manche buchstäblich zu jeder Schandtat bereit. Mit seiner Truppe hält er Einzug in das Emslandslager. Seine Behauptung, der Führer höchstpersönlich habe ihm unbeschränkte Vollmachten verliehen, öffnet ihm Tür und Tor zu tun und zu lassen, wie es ihm gefällt.



Der desertierte Gefreite Willi Herold findet eine Hauptmannsuniform und begeht in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs unaussprechliche Kriegsverbrechen. Kompromissloser Tatsachen-Kriegsfilm in Schwarzweiß von Robert Schwentke.



Prädikat besonders wertvoll

Auszeichnung der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW)
Prädikat: Besonders wertvollEs sind die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. Der Gefreite Willi Herold - abgehetzt, halb verhungert und kurz vor dem Erfrierungstod - findet nahe einer Waldlichtung einen verlassenen Wagen. Darin liegt die Uniform eines Offiziers, die Herold entwendet. Als er in seiner Aufmachung einem weiteren Gefreiten begegnet, der seine Einheit verloren hat, bittet dieser, sich dem "Hauptmann" anschließen zu dürfen. Viele andere folgen. Am 11. April 1945 betreten Herold und seine Gefolgsleute das Strafgefangenenlager Aschendorfermoor. Mit der Behauptung, der Führer hätte ihm persönlich die Verantwortung übergeben, übernimmt Herold die Führung über das Lager und beginnt, die Gefangenen auf brutale Art zu töten. Keiner der Führungsleute der Gestapo verhindert seine Gewaltherrschaft. Als ein Bombenangriff der britischen Truppen das Lager zerstört, ziehen Herold und seine "Kampftruppe" weiter. Denn der Krieg ist noch nicht aus. Und Herold will die Macht, die ihm die Uniform verleiht, nicht wieder hergeben. Robert Schwentke erzählt mit DER HAUPTMANN die wahre Geschichte des 19-jährigen Gefreiten Willi Herold, der als "Henker vom Emsland" bekannt wurde. Der Film beginnt dramaturgisch geschickt mit der Flucht Herolds vor den eigenen Leuten, die ihn vor sich herjagen. So baut Schwentke für den Zuschauer eine Verbindung zu Herold, den man zuallererst als Opfer und nicht als das Monster, als das er sich herausstellt, kennenlernt. Dem Hauptdarsteller Max Hubacher gelingt auf phänomenale Weise der Balanceakt zwischen der fast jugendlichen Unschuld des Soldaten und der grausamen Härte und Kälte eines Mannes, den der Rausch der Macht zum Massenmörder werden lässt. Auch der Rest des Ensembles leistet in Ausdruck und Spiel Unglaubliches. Frederick Lau als blutberauschter Soldat, der es nicht abwarten kann, mit aller Härte gegen alles vorzugehen, was schwächer ist als er selbst; Wolfram Koch und Samuel Finzi als inhaftierte Schauspieler, die an einem Abend eine Vorführung geben und sprichwörtlich um ihr Leben spielen müssen; oder Milan Peschel als Gefreiter Freytag, der sich in blinder Treue Herold anschließt und der nach und nach nicht nur spürt, welchem Monster er folgt, sondern zu welchen Monstern sie allesamt geworden sind. Schwentke setzt die Figuren in immer wieder neuen szenischen Anordnungen zueinander in Bezug, erzählt mit großer inszenatorischer Ruhe, dazu liefert Florian Ballhaus eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Bilder, die geschickt mit Nähe und Distanz zu den unfassbaren Grausamkeiten spielen, wozu auch das klug durchdachte Soundkonzept dient. Am Ende des Films steht ein eindrucksvoller Brückenschlag in die Gegenwart und damit auch zu zentralen Fragen an den Zuschauer wie etwa: Wie hätte man selbst gehandelt? Und wie weit ist Heute noch von Damals entfernt? Die deutsch-französisch-polnische Koproduktion DER HAUPTMANN ist ein klug reflektierender und brillant gespielter Kriegsfilm, der über seine Geschichte hinaus wichtige Fragen stellt und damit auch als Mahnung an das Heute gelten kann.

Jurybegründung:

Robert Schwentkes Spielfilm DER HAUPTMANN basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich in Norddeutschland in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges zugetragen hat. Die Geschichte ist eine tragische Variante des "Hauptmanns von Köpenick". Auch hier findet ein Mann die Uniform eines Offiziers und schlüpft mit der Kleidung in die Rolle des hochrangigen Soldaten. Seine Mitmenschen glauben ihm und folgen seinen Befehlen. In den chaotischen Tagen des Zusammenbruchs des Dritten Reiches begeht er mit der Hilfe eines zusammengewürfelten Haufens von versprengten Soldaten Gräueltaten an vermeintlichen Deserteuren, Plünderern, Verrätern und den Insassen eines Gefangenenlagers. Indem Schwentke weitgehend aus der Perspektive der Titelfigur erzählt und die ersten Sequenzen auch so inszeniert hat, dass dem Zuschauer kaum etwas anderes übrig bleibt, als sich mit ihm zu identifizieren, ist es unmöglich, ihn als den bestialischen Fremden zu sehen. Am Anfang ist er auf der Flucht, wird durch einen Wald gehetzt, versteckt sich und versucht alles, um zu überleben. Und Max Hubacher hat in dieser Rolle nichts Dämonisches an sich. Es ist verstörend, so graduell seine Veränderung sozusagen "von innen" mitzuerleben. Später wird dann sein erster von Milan Peschel gespielter "Untergebener" eine Art moralische Instanz, in dessen Augen sich der Schrecken über das Geschehen spiegelt. Bemerkenswert ist auch, dass "Hauptmann" in den Augen der Jury nicht zwingend überzeugend in seiner Verkleidung ist. Er legitimiert sich im Grunde durch seine Grausamkeit. Im Chaos bleibt er die einzige Autorität und so begehen die Soldaten auf seinen Befehl hin brutalste Massenhinrichtungen, willkürliche Tötungen und sadistische Gewaltakte. Schwentke erzählt dies mit einer bemerkenswerten künstlerischen Radikalität in Schwarzweißbildern. Besonders gelungen ist ihm die Darstellung eines Casinoabends, der schließlich in einer Gewaltorgie endet, und bei dem zwei Gefangene des Lagers als Schauspieler die Truppen mit obszönen, antijüdischen Sketchen und Liedern unterhalten. Die beiden werden von Samuel Finzi und Wolfram Koch erschütternd intensiv verkörpert: Schwentke macht in diesen Sequenzen beeindruckend deutlich, wie ihnen bewusst ist, dass sie spielen müssen, um am Leben zu bleiben. Wirkungsvoll sind auch einige Verfremdungseffekte, mit denen Schwentke deutlich macht, dass es eine Verbindung zwischen dem Gezeigten und der Gegenwart gibt. Nur hier wird sein Film farbig. In der Mitte des Films zeigt er in einer Totalen einen einfachen Acker, der genau an der Stelle liegt, wo damals das Lager stand. Und während die Schlusstitel über die Leinwand rollen, zeigt er Sequenzen, in denen die Schauspieler in den Kostümen und in den Rollen des Hauptmanns und seiner Soldateska im Jeep durch eine heutige deutsche Stadt fahren und dort Passanten kontrollieren und bedrängen. Nicht die Menschen, sondern die Umstände waren damals anders - dies macht er hier sehr effektiv mit filmischen Mitteln deutlich. Und weil DER HAUPTMANN auf allen Ebenen (Drehbuch, Regie, Kamera, Schauspiel, Ausstattung, Schnitt, Musik) künstlerisch konsequent und souverän umgesetzt wurde, wird er mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichnet.
Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


  • 0
  • 0
Originaltitel Der Hauptmann
OV -
OmU -
Genre Drama
Filmpreis -
USA-Start 27.07.2018
Kinostart (D) 15.03.2018
Besucher (D) 59.367
Einspielergebnis (D) € 465.326
Bes. (EDI) 59.367
Bes. (FFA) 56.819
FSK ab 16 Jahre
WWW -
Cast & Crew in Der Hauptmann
Regisseur Robert Schwentke Filmbild 798989 R.I.P.D. - Rest in Peace Department / R.I.P.D. 3D / Set / Robert Schwentke Regisseur © Universal
Darsteller Max Hubacher Filmbild 724728 Verdingbub, Der / Max Hubacher Willi Herald © Ascot Elite (24 Bilder)
Darsteller Frederick Lau Filmbild 799991 Ummah - Unter Freunden / Frederick Lau Darsteller © Senator
Darsteller Milan Peschel Agenturporträt/Star 847553 Peschel, Milan Darsteller © Andreas Rentz/Getty Images for Sony Pictures
Darsteller Alexander Fehling Künstlerporträt 880244 Fehling, Alexander Darsteller © Mathias Bothor 2014
Darsteller Bernd Hölscher Darsteller
Darsteller Waldemar Kobus Darsteller
Darsteller Samuel Finzi Filmbild 738686 Flemming (03. Staffel, 8 Folgen) / Samuel Finzi Darsteller © ZDF/Hardy Spitz
Darsteller Wolfram Koch Filmbild 439537 Hannah / Wolfram Koch Darsteller
Drehbuch Robert Schwentke Filmbild 798989 R.I.P.D. - Rest in Peace Department / R.I.P.D. 3D / Set / Robert Schwentke Drehbuch © Universal
Produzent
Ausf. Produzent
Produktionsdesign
Kamera
Schnitt
Musik
Kostüme
Casting
  • 0
  • 0
Ähnliche News & Stories zu Der Hauptmann
  • 0
  • 0
Reviews und Kommentare zu Der Hauptmann
Kommentare: 0
Haben Sie Ihren facebook-Account bereits mit kino.de verbunden?

Dann loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich mit einem Klick auf den Button!

Bitte melden Sie sich an, um eine Bewertung abzugeben

Loggen Sie sich bitte hier mit Ihrem facebook-Account ein. Wenn Sie noch keinen facebook-Account haben,
können sie sich mit einem Klick auf den Button auch neu registrieren.

Sie haben den Film bereits bewertet.

Wollen Sie an den Filmstart erinnert werden

Wir erinnern Sie gerne daran, wenn der Film im Kino anläuft, damit Sie ihn nicht verpassen

Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.

E-Mail Adresse