Veröffentlicht am 23.11.2017
Aus dem Nichts Deutschland/Frankreich 2017
Aus dem Nichts Kinostart 23.11.2017, Deutschland/Frankreich 2017
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Aus dem Nichts - Filmplakat

Drama-Thriller-Mix um eine Mutter, die Gerechtigkeit will für ihren getöten Sohn und Mann.

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Bereits im Kino seit 0 0 9 Wochen Filmstart: 23.11.2017
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Filmkritik zu Aus dem Nichts

Die Rückkehr von Fatih Akin nach Cannes ist eine emotionale Angelegenheit. An der Croisette gewann der Hamburger drei Jahre nach dem Goldenen Bären für "Gegen die Wand" gleich beim ersten Auftritt im Wettbewerb mit "Auf der anderen Seite" den Drehbuchpreis. Zwei seiner Dokus liefen in Cannes, bereits 2005 war er als Mitglied der Jury in Südfrankreich gewesen. Und dann natürlich "The Cut", für den Thierry Frémaux 2014 keinen Start im Wettbewerb versprechen wollte und der von Akin daraufhin zurückgezogen wurde. Und nun die Rückkehr des verlorenen Sohnes mit "Aus dem Nichts", gleich im Jahr eins nach "Toni Erdmann" ist nun wieder ein Film eines deutschen Filmemachers im Wettbewerb.

Auch der Film selbst ist eine emotionale Angelegenheit. Dass er dem Zuschauer hier in Cannes als vorletzter der Presse gezeigter Film des Wettbewerbs so an die Nieren geht, mag damit zu tun haben, dass man immer noch damit beschäftigt ist, die Nachricht vom Terroranschlag in Manchester zu verdauen, bei dem Kinder und Jugendliche bewusst als Ziel ausgewählt wurden. Vielleicht mehr als jeder andere Film in Cannes ist "Aus dem Nichts" ein Produkt der Zeit, in der wir leben. Und er geht sein Thema an, als wolle Fatih Akin mit dem Kopf durch die Wand. Metaphern oder Gleichnisse oder Anspielungen sind die Sache dieses Dramas nicht. Es ist direkt, unmittelbar, schnörkellos, schonungslos und konsequent.

Und Diane Krüger in ihrer ersten deutschsprachigen Hauptrolle ist eine Offenbarung als Katja, die ihren türkischen Ehemann Nuri geheiratet hat, als er wegen eines Drogendelikts im Gefängnis saß und die sich mit ihm seit seiner Entlassung und nach der Geburt ihres Sohnes Rocco eine solide Existenz aufgebaut hat. Sie wohnen außerhalb der Stadt in einem schönen Haus, aber ihr Herz gehört immer noch ihrem Kiez in Hamburg. Gleich in den ersten Minuten des Films reißt ein gezielter Bombenanschlag Nuri und Rocco aus dem Leben. Katja hatte eine junge blonde Frau noch angesprochen, die ihr brandneues Fahrrad mit Schalenkoffer vor Nuris Geschäft angelehnt hatte, ohne es abzuschließen. Dennoch ermittelt die Polizei erst in der türkischen und kurdischen Szene, bis schließlich ein junges Pärchen Neonazis unter dringendem Tatverdacht verhaftet wird.

Ein Hamburg des ewigen Regens ist "Aus dem Nichts" in diesem so emotionalen und düsteren ersten Teil, dem die Gerichtsverhandlung folgt, hell, nüchtern, sich nur auf die Fakten konzentrierend: Ein Moment, in dem Katja die Angeklagte attackiert, verweist klar auf "Der Fall Bachmeier", nicht zuletzt, weil dessen Regisseur Hark Bohm wie schon bei "Tschick" Akin bei der Arbeit am Drehbuch unterstützt hat: Das zweite Kapitel bedingt den abschließenden Teil des Films, der den Schauplatz wechselt und in Griechenland spielt. Es sollte allerdings nicht mehr verraten werden, als dass Katja dort eine folgenschwere Entscheidung treffen muss, die der Geschichte noch einmal einen ganz neuen Dreh gibt. Natürlich sind die Morde des NSU der Katalysator des Films, in den Fatih Akin seine ganze Wut und Verzweiflung kanalisiert. Aber "Aus dem Nichts" ist noch mehr: Er hat seine Handlung so geschickt konstruiert, dass sich aus der Prämisse eine noch provokativere Betrachtung über den Ursprung von Terrorismus in unserer Zeit entwickelt. Es ist ein Film über die Opfer - die Täter finden nur am Rand statt. Aber es geht auch darum, was es bedeutet den Spieß umzudrehen und Rache zu üben. Die letzten Bilder liegen einem noch lange nach Filmschluss wie ein Mühlstein im Magen. ts.

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Filmhandlung & Hintergrund zu Aus dem Nichts

Prädikat besonders wertvoll

Auszeichnung der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW)
Prädikat: Besonders wertvollAls Katja die Nachricht erhält, dass ihr Mann und ihr Sohn bei einem Bombenattentat ums Leben gekommen sind, bricht für sie die ganze Welt zusammen. Wie kann so etwas passieren, mitten in Hamburg, mitten am helllichten Tag? Die Polizei vermutet einen Bandenkrieg, immerhin war Katjas Mann Türke und früher selbst in halbseidene Machenschaften verwickelt. Doch für Katja ist klar, dass nur Nazis hinter diesem feigen Anschlag stecken können. Keiner glaubt ihr - bis auf ihren Anwalt und guten Freund Danilo, mit dem sie zusammen die Verfolgung der Verdächtigen aufnimmt und sie auch tatsächlich vor Gericht bringt. Doch im Prozess spürt Katja mehr und mehr, dass das Recht nicht immer auf der Seite der Opfer ist. Und dass kein Urteil ihr eigenes Leid lindern kann. Ein Leid, dass plötzlich und aus dem Nichts in ihr Leben getreten ist. Der neue Film von Fatih Akin zieht den Zuschauer durch seine dichte Erzählweise einer erschütternden und hochaktuellen Geschichte von der ersten Minute an in seinen Bann. Mit Diane Kruger hat Akin darüber hinaus eine Hauptdarstellerin gefunden, die durch ihr ausdrucksvolles Spiel das Maximum an Nähe für Kamera und Publikum zulässt und somit ganz tief in die traumatisierte Seele der Figur blicken lässt. Sowohl die Ohnmacht der Trauer als auch die wütend verzweifelte Entschlossenheit Katjas macht Akin in atmosphärisch aufgeladenen und meisterhaft komponierten Bildern deutlich. Sämtliche Darsteller werden sicher durch eine starke Geschichte geführt, dabei wirken Handlung und die Dialoge in ihrer Authentizität fast schon dokumentarisch und sind damit auch Teil eines wichtigen Beitrags zur hochaktuellen politischen Debatte in Deutschland. Fatih Akins AUS DEM NICHTS ist ein packend und nuanciert erzähltes Drama über Selbstjustiz, Rache und Wut. Ein aufwühlender, mutiger und beeindruckender Film.

In einer Art Prolog erleben die Zuschauer in AUS DEM NICHTS, wie Nuri und Katja heiraten. Eine Knastehe, mit tätowierten Ringen. Die letzte und einzige heitere Szene in Fatih Akins Drama, denn gleich darauf wird das junge Glück jäh zu Ende gehen. Eine Nagelbombe explodiert vor Nuris Büro und reißt ihn und den gemeinsamen Sohn in den Tod. Einige Jahre sind nach dem Gefängnisaufenthalt vergangen und Katja und ihr Mann hatten sich gerade ein Leben aufgebaut.
"Familie", "Gerechtigkeit" und "Das Meer", so hat Fatih Akin die drei wesentlichen Teile seines Dramas AUS DEM NICHTS betitelt. Der Film ist eine Aufarbeitung der NSU-Prozesse und zugleich ein Familiendrama, das sich gewaschen hat. Denn während Katja Verlust und Schmerz mit Drogen zu unterdrücken versucht, geht die Polizei der Vermutung nach, Nuri könne Teil einer islamistischen Terrorzelle gewesen sein.
Sehr nuanciert arbeitet Akin das auf, was nach Ansicht der Jury nach einer solchen Katastrophe vermutlich geschieht. Schock, Wut, Hass, Trauer, Verzweiflung, Diane Kruger ist in der Rolle der Katja grandios. Überhaupt kann Fatih Akin auf ein meisterhaft geführtes, großartiges Ensemble zurückgreifen. Bis in die Nebenrollen spiegeln seine Schauspieler ein glaubwürdiges Bild von den Umständen nach so einer Tat.
In der abschließenden Diskussion zeigte sich die Jury berührt von der Wucht des Gesehenen. Genauso mutig wie spannend erzählt Akins Film. Eine Leistung, mit der der deutlich gereifte Regisseur locker an seinen Erfolg GEGEN DIE WAND anknüpfen und diesen sogar toppen kann. Dieses Gefühl erstreckt sich auch auf den nachfolgenden, mit "Gerechtigkeit" betitelten Teil, der die Zuschauer in einen Gerichtssaal führt.
Akin gestaltet die sonst eher steril wirkenden Gerichtsszenen wie eine Fehde. Während die gefassten Täter nur kaltes Schweigen zeigen, brodelt es in Katja. Ihr Äquivalent findet sie - dramaturgisch interessant - im gegnerischen Verteidiger. Der, selbst einer rechtsnationalen Vereinigung entsprungen scheinende, Anwalt provoziert bis aufs Blut und schafft, in dubio pro reo, tatsächlich einen Freispruch seiner offensichtlich schuldigen Mandanten.
Auch wenn die Zuschauer die Fakten kennen und sich der tatsächliche Plot recht früh abzuzeichnen beginnt, ist AUS DEM NICHTS spannend bis zum Schluss. Fatih Akins Dramaturgie ist schlüssig und lässt nichts zu deuteln. Gelobt hat die Jury dabei die politische Zurückhaltung des Regisseurs. AUS DEM NICHTS denunziert nicht Polizei noch Richter, weder im Film noch in der Realität. Er textet die Nähe zu den NSU-Prozessen nur an, ist aber dennoch so suggestiv, dass er, bis hin zur finalen Auflösung im Kapitel "Das Meer", alles Weitere der Phantasie der Zuschauer überlassen kann.
Auch technisch wirkt der Film überzeugend auf die Jury. Licht, Kamera und Schnitt komponieren die ausgeklügelte Stimmung in allen drei Filmteilen hervorragend mit. Das Sounddesign ist immer stimmig, genau wie der Score. Die Jury wertet AUS DEM NICHTS daher als eine hervorragende Ensemble-Leistung, in allen Bereichen des Films.
AUS DEM NICHTS ist ein hervorragend erzähltes, mutiges Drama, das die Jury durch seine minutiöse Dramaturgie und seine großartige Besetzung überzeugt hat. Für diese Leistung erteilt die Jury einstimmig das Prädikat "besonders wertvoll".
Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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Originaltitel Aus dem Nichts
OV -
OmU Ja
Genre Drama
Filmpreis -
USA-Start 27.12.2017
Kinostart (D) 23.11.2017
Besucher (D) 464.387
Einspielergebnis (D) € 3.806.722
Bes. (EDI) 464.387
Bes. (FFA) 114.311
FSK ab 16 Jahre
WWW -
Cast & Crew in Aus dem Nichts
Regisseur Fatih Akin Filmbild 953819 Tschick / Fatih Akin Regisseur © Studiocanal
Darsteller Diane Kruger Künstlerporträt 911960 Kruger, Diane / Vanity Fair Oscar Party 2015 Darsteller © Kurt Krieger
Darsteller Denis Moschitto Filmbild 621107 Gegengerade / Denis Moschitto Darsteller © Sabotakt
Darsteller Numan Acar Künstlerporträt 829422 Vergrabene Stimmen / Set / Numan Acar Darsteller
Darsteller Samia Chancrin Darsteller
Darsteller Johannes Krisch Darsteller
Darsteller Ulrich Tukur Künstlerporträt 493349 Tukur, Ulrich / 62. Filmfestival Cannes 2009 / Festival International du Film de Cannes Darsteller © Kurt Krieger
Darsteller Ulrich Brandhoff Darsteller
Darsteller Hanna Hilsdorf Darsteller
Drehbuch Fatih Akin Filmbild 953819 Tschick / Fatih Akin Drehbuch © Studiocanal
Weitere Darsteller
Drehbuch
Produzent
Produktionsdesign
Kamera
Schnitt
Musik
Kostüme
Casting
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