Veröffentlicht am 24.08.2017
Atomic Blonde USA 2017
Atomic Blonde Kinostart 24.08.2017, USA 2017
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Atomic Blonde - Filmplakat

Knallharter Actionthriller nach Comicvorlage um eine Agentin und Auftragskillerin, die in Berlin kurz vor dem Mauerfall eine Liste mit Namen von Doppelagenten aufspüren soll.

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Filmkritik zu Atomic Blonde

Adaption des Comicromans "The Coldest City", in der Charlize Theron im Berlin kurz vor dem Mauerfall als Superagentin zwischen alle Fronten gerät.

John Wick darf sich über eine ebenbürtige Schwester freuen. Als nahe Verwandte von Uma Thurman in "Kill Bill" und Angelina Jolie in "Salt" hinterlässt Charlize Theron im West- und Ostberlin in den aufgewühlten letzten Tagen des Kalten Krieges eine regelrechte Schneise der Verwüstung, die auch Keanu Reeves in seinem schwarzen Maßanzug Respekt abringen dürfte. Egal, wie man zu allem steht, was bis dahin in diesem wild geplotteten Spy Game vorgefallen ist, am Ende geht es doch nur um diese eine Szene nach etwa zwei Drittel Laufzeit, über die seit der Weltpremiere von "Atomic Blonde" im März auf dem SXSW Festival in Austin gesprochen wird - eine fast zwölfminütige Sequenz, die so aussieht, als habe sich der Kampf von Beatrix Kiddo gegen unzählige Horden japanischer Schlimmfinger im Haus der blauen Blätter mit der Unmittelbarkeit von "Victoria" noch einmal neu erfunden: mit einer Handkamera und vermeintlich ungeschnitten gefilmt setzt sich die atomblonde britische Superagentin Lorraine Broughton in einem alten Wohnhaus zunächst im Treppenhaus, dann in einer Wohnung, dann wieder im Treppenhaus zur Wehr, kämpft sich mit dem ihr Schutzbefohlenen nach draußen, rast in einem gestohlenen Wagen die Straße herunter und schüttelt ihre Verfolger ab, um schließlich im Fluss zu landen und unterzugehen. Aufregender und atemberaubender kann eine Actionszene nicht sein. Sie versöhnt auch umgehend damit, dass die Prämisse doch nur wenig mehr ist als pure Kulisse für ein an grellen Oberflächenreizen überbordendes Spektakel.

So sehr der Film auch betonen mag, an den Ereignissen rund um den 9. November 1989 interessiert zu sein, wird doch jeder bestätigen können, der die Zeit kurz vor dem Mauerfall miterlebt hat, dass die Menschen auf beiden Seiten der Mauerstadt längst nicht so superlässig und stilbewusst gekleidet waren, dass Untergrundclubs eher abgeratzte Kellerlöcher waren, wie sie Oskar Roehler jüngst in seinem "Tod den Hippies! Es lebe der Punk!" gezeigt hat, und nicht aussahen wie das opulenteste SM-Bordell der Menschheitsgeschichte, und dass man Ende der Achtziger lauthals ausgelacht worden wäre, wenn man tatsächlich noch den poppigen Synthiewave und NDW-Musik von Beginn des Jahrzehnts gehört hatte. Egal. Atomic Blonde will auch weniger ein moderner "Der Spion, der aus der Kälte kam" sein, sondern nutzt seine bei John le Carré entlehnte Plotprämisse nur, um den Comicroman "The Coldest City" publikumsträchtig als ebenso pubertäre wie transgressive Hipster-Fantasy zu erzählen, mit einer strapsbewehrten Amazone im Mittelpunkt, die als Babe in Boyland auch noch den tätowiertesten Macker aus den Springerstiefeln haut und trotz fortwährenden Hantierens mit großkalibrigen Waffen Zeit für heißen lesbischen Sex findet. Ehrensache, dass sich an der Schauspielerin, die gerade erst als Imperator Furiosa der Endzeit die Flötentöne beigebracht hat, auch harte Hunde wieJames McAvoy, John Goodman oder Roland Møller auf beiden Seiten der bröckelnden Mauer die Zähne ausbeißen. Aber wenn sich der Staub gelegt hat auf der fortwährend Haken schlagenden Handlung, dann bleibt die eine Szene, die eingangs erwähnt wurde. Für sie allein hat David Leitch seinen Platz im Genre-Olymp sicher. ts.

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Filmhandlung & Hintergrund zu Atomic Blonde

Die britische Superagentin Lorraine Broughton wird Anfang November 1989 nach Berlin geschickt, wo sie eine Kontaktperson und mit ihr eine Liste mit allen in der Mauerstadt agierenden Agenten sicherstellen soll. Vom ersten Moment an ist Lorraine im Visier von Killern, und auch ihre Kontaktperson, Stationsleiter David Percival, ist wenig vertrauenserweckend. Dass sie auch noch von einer französischen Spionin verfolgt wird, gibt Lorraine zusätzlich zu denken, die sich völlig allein durch ein regelrechtes Minenfeld bewegen muss.



Die britische Superagentin Lorraine Broughton wird Anfang November 1989 nach Berlin geschickt, wo sie eine Liste mit allen in der Mauerstadt agierenden Agenten sicherstellen soll. Vom ersten Moment an ist Lorraine im Visier von Killern, und auch ihre Kontaktperson, Stationsleiter David Percival, ist wenig vertrauenserweckend. Dass sie auch noch von einer französischen Spionin verfolgt wird, gibt Lorraine zusätzlich zu denken, die sich völlig allein durch ein regelrechtes Minenfeld bewegen muss.



Eine Agentin und Auftragskillerin soll in Berlin kurz vor dem Mauerfall eine Liste mit Namen von Doppelagenten aufspüren. Knallharter Actionthriller nach Comicvorlage, in dem Charlize Theron so richtig Gas geben darf.



Prädikat besonders wertvoll

Auszeichnung der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW)
Prädikat: Besonders wertvollBerlin, 1989. Deutschland steht kurz vor der Wende. Doch noch sind für Ost und West die Fronten im Kalten Krieg klar verteilt. Die Geheimdienste KGB und CIA kämpfen dabei vor allem um eines: wichtige Informationen und die Geheimhaltung derselben vor dem jeweils anderen. In der Mitte des Ganzen steht Lorraine Broughton. Sie ist Agentin des britischen MI6, kennt beide Seiten und erhält nun den Auftrag, mit Hilfe eines bereits in Berlin stationierten Kollegen einen Doppelagenten zu entlarven. Und zwar am besten noch vor dem Fall der Mauer. Mit ATOMIC BLONDE hat Regisseur David Leitch die Graphic-Novel "The coldest city" für die große Kinoleinwand verfilmt. Die Action- und Kampfsequenzen sind hart und mit unglaublicher Präzision choreografiert und inszeniert, die Schnitte sind rasant, die Einstellungen in ihrer Komposition auch in ihrer Farb- und Lichtgestaltung etwas Besonderes. Das Setting im Berlin der Wende ist authentisch rau, grau und stumpf, doch einzelne Bauten, Häuser, aber auch Kostüme wirken fast schon comichaft überhöht, sodass hier auf wunderbare Weise die Vorlage in den Film Einzug hält. Dominiert wird die Handlung von einer grandiosen Charlize Theron, die in einer Mischung aus Femme Fatale und Killer Queen als "Atomic Blonde" auftritt und durch ihr lasziv eiskaltes Spiel jede Szene beherrscht. Als ebenbürtiger Partner wird James McAvoy als Kontaktperson in Berlin zu einer Art Sparringspartner für Therons Figur. Durch seine Ambivalenz, seine Durchtriebenheit und seinen Charme gelingt es McAvoy, eine Figur zu erschaffen, die bis zuletzt nicht festzulegen ist. Der kongeniale Soundtrack, gespickt mit 80er-Jahre-Klassikern von David Bowie über Nena bis hin zu The Clash, sorgt für eine perfekte Kinostimmung irgendwo zwischen abgebrühter Coolness und mitreißender atemloser Spannung. ATOMIC BLONDE ist ungemein fesselnd, hochgradig spannend und unfassbar cool.

Jurybegründung:

David Leitch hat sein Metier als Stuntkoordinator gelernt und mit JOHN WICK einen vor allem auf Heimmedien erfolgreichen Hit des Actionthrillers inszeniert. Mit ATOMIC BLONDE variiert er das Konzept des Berufskillers im Krieg der Gangster, indem er es auf den Krieg der Agenten im Jahr 1989, kurz vor dem Ende des Kalten Krieges und der Maueröffnung anwendet. Wir erleben aus Sicht einer britischen MI6-Agentin (Charlize Theron) in langen Rückblicken, wie sie einen russischen Doppelagenten, der eine Namensliste memorisiert hat, aus Ost- nach Westberlin bringen soll. Unversehens gerät sie zwischen die Fronten in einem Spiel, das auch für die Verantwortlichen nicht mehr durchschaubar ist.
Was nach einem konventionellen dramaturgischen Vorwand für Actionszenen klingt, wird unter Leitchs Regie zu einem durchweg packenden und mitunter schockierend gewalttätigen Kaleidoskop einer Ära der Verunsicherung. Der Regisseur inszeniert die späten 1989er Jahre in Berlin in einer gelegentlich anachronistisch-glamourösen Neuinterpretation als monochrome Post-Punk-Apokalypse. Dabei wird vor allem die zeitgenössische Musik treffend eingesetzt, ob im Original oder neu interpretiert.
Neben den intensiven Darstellerleistungen von Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman u. a. brilliert die Graphic-Novel-Adaption ATOMIC BLONDE mit einer souveränen Actionchoreographie, die in Nahkampfszenen und Autoverfolgungsjagden zahlreiche originelle Ideen und neue Bildeindrücke hervorbringt. Die Ambivalenz in der Figurenzeichnung, die bis am Schluss durchgehalten wird, kommt der Spannungsdramaturgie zugute.
ATOMIC BLONDE ist ein packend inszenierter, weiblich zentrierter Actionthriller, der mit überzeugender Besetzung, eindrucksvoller Actionchoreographie und stringenter Dramaturgie zugleich als Meilenstein des Agentenfilms gelten kann. Zugleich vermittelt er eine interessante Interpretation der Umbruchsphase des Jahres 1989. Die Jury verleiht dem außergewöhnlichen Film daher das Prädikat "besonders wertvoll".
Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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Originaltitel Atomic Blonde
OV Ja
OmU Ja
Genre Action / Thriller
Filmpreis -
USA-Start 28.07.2017
Kinostart (D) 24.08.2017
Besucher (D) 277.525
Einspielergebnis (D) € 2.297.906
Bes. (EDI) 277.525
Bes. (FFA) 140.992
FSK ab 16 Jahre
WWW -
Cast & Crew in Atomic Blonde
Regisseur David Leitch Regisseur
Darsteller Charlize Theron Künstlerporträt 900620 Charlize Theron / UNAIDS Pressekonferenz am Welt AIDS Tag 2014 Darsteller © Kurt Krieger
Darsteller James McAvoy Künstlerporträt 863099 James McAvoy / 67. Internationale Filmfestspiele von Cannes 2014 Darsteller © Kurt Krieger
Darsteller Sofia Boutella Darsteller
Darsteller Bill Skarsgård Darsteller
Darsteller John Goodman Künstlerporträt 871547 Goodman, John / 64. Berlinale 2014 Darsteller © Kurt Krieger
Darsteller Toby Jones Darsteller
Darsteller Eddie Marsan Künstlerporträt 810526 Eddie Marsan / 70. Internationale Filmfestspiele Venedig 2013 Darsteller © Kurt Krieger
Darsteller Daniel Bernhardt Darsteller
Drehbuch Kurt Johnstad Drehbuch
Weitere Darsteller
Produzent
Ausf. Produzent
Buchvorlage
Produktionsdesign
Kamera
Schnitt
Musik
Kostüme
Casting
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Reviews und Kommentare zu Atomic Blonde
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